Arbeitseinsatz Anja Schütz und Katrin Witt, Januar 2024

Zum ersten Mal haben wir bereits im Januar mit einem Einsatz begonnen. Normalerweise wäre es ein medizinischer Einsatz gewesen, dessen Anfang ich begleiten wollte. Nun ist der medizinische Einsatz entfallen und der Container weiter verzögert, sodass dem Team Zeit bleibt, die neuen Projekte zu besuchen und in den laufenden Projekten die Reparaturen und Baumaßnahmen abzunehmen.

Abflug 10.01.
Abflüge nach Gambia haben eigentlich schon eine gewisse Routine. Aber: eine neue Airline, eine knappe Umsteigezeit in Barcelona, der Bahnstreik und die Traktoren haben auch mich etwas beunruhigt. Aber alles ging gut. Ich traf sogar noch die Helfer, die den Kopfschutz für einen unserer medizinischen Fälle brachten. Das war der letzte freie Platz in einem unserer Koffer. Der Umstieg wurde sportlich und die Sorge um unsere Koffer begleitete mich bis Banjul. Erleichterung kam erst, als ich unsere Koffer auf dem Band entdeckte und wir ganz schnell durch die Kontrolle waren. Der Weg zur Unterkunft war gambisch chaotisch, aber wir saßen sicher im Auto. Wir waren etwas spät, aber trotzdem sehr gut und in der Nähe essen. Ich freu mich, wieder hier zu sein.

11.01.
Nachdem uns am ersten Abend tatsächlich etwas Regen überraschte, hat uns die erste Nacht sehr abgekühlt. Tagsüber waren dann wieder knapp 30 Grad und Sonne. Wir haben nach dem ersten Banktermin und der Planabstimmung mit Rise den Weg zum Strand genossen einige Zeit verquatscht und über Land und Leute gesprochen. Natürlich haben wir zu Abendessen wieder Butterfisch genossen und den Abend entspannt vor dem Apartment ausklingen lassen.

12.01.
Wir sind dankbar, dass wir dank unser aktuellen medizinischen Volunterin (Ruth in Fatou Gayes Klinik) seit heute eine weitere junge Frau zur weiterführenden Ausbildung begleiten dürfen: Haddy T. wird künftig Krankenpflege an der American University of Gambia studieren. Das Team hat heute morgen die Einschreibegebühr und das erste Studienjahr im Auftrag der Sponsor*innen bezahlt. Wir wünschen unserer Haddy ganz viel Erfolg und sind sehr stolz, sie begleiten zu dürfen. Mit ihr sind es nun aktuell drei junge Menschen, deren medizinische Ausbildung wir unterstützen: Haddy und Adama als künftige Krankenpflegerinnen und Mustapha als künftigen Laborassistenten.

14.01.
Wir sind gegen 11:30 Uhr Richtung Kunkujang aufgebrochen. Auf dem Weg haben wir in Sukuta noch Melonen für die Kinder im Kinderschutzhaus gekauft. Die Saison ist fast vorbei, aber wir hatten noch Glück und haben einen Verkäufer von einem Gemeinschaftsgarten getroffen, der ausreichend Melonen hatte und uns 4 große Melonen a 9 kg verkauft hat. Unsere Suche nach neuen Halterungen für die Schaukeln in Faraba Sutu war leider nicht so erfolgreich.

In Kunkujang angekommen, war Fatou noch mit unseren Helfern für Suwareh Kunda beschäftigt und wir haben uns gefreut, unsere Volunterin Ruth zu treffen und von der gerade abgeschlossen Geburt gehört.

Als Fatou mit den anderen fertig war, haben wir gemeinsam unseren neuen medizinischen Notfall besucht. Unser Rucksack und vor allem der Ball hat ein kleines Lächeln auf sein Gesicht gezaubert. Auch ich werde sein Bild nicht veröffentlichen, weil wir bis auf wenige Ausnahmen unsere Notfälle schützen wollen. Ich möchte mich aber bei allen spontanen Spendern bedanken, die nach meinem kleinen Aufruf via WhatsApp so schnell geholfen haben. Wir konnten gestern die erste Rechnung für die Behandlung und Zusatznahrung bezahlen und ich habe schon einige Zusagen, dass auch die nächste Rechnung hoffentlich keines weiteren Hilferufs bedarf. Die Wunden am Rücken heilen gut, es ist Gott sei Dank nichts gebrochen und die kleine Seele muss sich nun langsam erholen, wieder Vertrauen in die Erwachsenen lernen und die tiefen Wunden am Arm brauchen Zeit und eine gute Versorgung. Letzteres können wir Dank Fatou und ihrem Team garantieren.

Nach einem Rundgang durch die Klinik war ich etwas erleichtert. Es ist das erste Mal seit Monaten, dass die Krankenstation keine schweren Malariafälle beherbergt. Die letzten 10 scheren Fälle sind dank eurer Hilfe und den Spendern auf betterplace gesund entlassen worden.

Wir sind im Anschluß durch das Mädchenhaus gelaufen und haben Fatou von der nächsten Containerbeiladung berichtet. Es werden Mülltonnen, Kissen für die Mädchen, Bettwäsche und Zahnpflege dabei sein. Auch einige medizinische Spenden haben wir auf den Weg gebracht. Wenige für unsere Dauer Diabethes Patienten hatte ich direkt dabei. So dass Fatou unseren beiden Langzeitfällen neue Blutzuckermessgeräte, Teststreifen und weiteres Material beim nächsten Kontrollbesuch übergeben kann.

15.01.
Eigentlich wollten wir heute die Containerspenden nach Tallinding in die Kairaba Nursery School bringen. Die Beiladung steckt jedoch noch immer irgendwo auf dem Weg fest und so kamen wir mit leeren Händen in die Kairaba Nursery School nach Tallinding. Dennoch war es ein schöner Vormittag und wir freuen uns mit der Crew und den Kindern, dass die Projektleiterin auch bald nach Gambia kommt. Wir werden versuchen, ein paar bauliche Verbesserungen auch in diesem Jahr zu realisieren, und überlegen gerade wie wir täglich ein gesundes Frühstück für alle realisieren können.

17.01.
Heute morgen sind wir um 9:00 Uhr aufgebrochen und haben noch ein weiteres Mitglied mit nach Faraba Sutu genommen. Der Verkehr war für gambische Verhältnisse sehr entspannt. Wir haben nicht so lange gebraucht wie erwartet. Wir kamen zeitgleich mit einem unserer Patenkinder an, dass eine Sonderzahlung der Patin erhalten sollte. Besonders gefreut hat mich, daß sie das aktuelle Zeugnis dabei hatte. Und unser Smalltalk schon viel flüssiger lief. Am Ende hat sie sich noch Blatt und Stift besorgt und einen kleinen Brief an die Sponsorin geschrieben. Den habe ich natürlich gestern gleich als Foto weiter gegeben und hoffentlich etwas Freude erzeugt.

Wir hatten ein straffes Programm in Faraba und ich war dankbar, dass wir diesmal auch mitessen durften. Vorher haben wir die Spielplatzreparatur kontrolliert, noch neue Sitzkissen auf den Wippen beauftragt und den zweiten Anstrich angefordert. Den Belastungstest haben die Schaukeln geschafft. Auch wenn das Team später nach besseren Halterungen und weiteren Schaukeln Ausschau halten will.

Wir durften in allen drei Klassen der Nursery hospitieren und haben uns sehr gefreut, dass auch hier das Loben zugenommen hat und die Kinder eindeutig Spaß am Lernen haben. Der Garten sah viel besser aus und wir schmunzelten über die beiden Hühner und ihre Kücken, die wie selbstverständlich auf dem Gelände umherliefen und sich auch im Tumult der Pause nicht verschrecken ließen.

Mit einigen Jungs der Stufe 3 haben Rise und ich in der Pause eine Runde Fußball gespielt. Passend zum Afrika Cup natürlich in Gambischen Trikots. Leider hab ich immer zu spät gemerkt, wer denn eigentlich in welchem Team spielt, so dass die Mannschaft von Rise eindeutig im Vorteil war und wir leider 2:0 verloren haben. Der Spaß war trotzdem auf allen Seiten gleich und die Küchefrauen und Lehrer waren von unserer Idee begeistert und haben beide Mannschaften gefeiert.

Danach gab es eins meiner Lieblingsessen und ich hatte tatsächlich Hunger und habe gut und viel gegessen. Ich freute mich auch über die vielen leer gegessen Teller der Kinder. Nur Klasse 1 ist noch immer das tägliche Essen nicht gewöhnt und bringt regelmäßig etwas zurück in die Küche. Auch beim Zähneputzen sind die Kleinsten noch etwas ungeübt. Aber schon viel besser als im November. Alles in allem hatten wir einen tollen Tag.

Die Rückkehr dauerte wie üblich länger und der Verkehr war zwischenzeitlich so stark, dass wir uns eine lange Strecke dem Stau ergaben und einfach langsam mit rollten. Den ich am Abend noch mit einem langen Spaziergang und Besuch beim Schneider abrundete.

18.01.
Heute morgen startete ich eher gambisch langsam und einen erneuten Versuch bei der Bank. Ich möchte dieses Konto endlich frei bekommen, damit wir bis zum Abflug noch das Onlinebanking reaktivieren können. Nach mehr als zwei Stunden in einem gefühlten Kühlschrank und mit der neuen Erkenntnis, dass sich von November bis jetzt wieder andere Regeln ergeben haben, war ich frustriert. Gott sei Dank hab ich Gudrun erreicht und sie hat schnell die Dokumente gesendet.

Auch unsere Mitbewohner werden mehr. Einen Teil musste ich leider des Hauses verweisen, aber die Gekkos bleiben natürlich und helfen mir durch die Nacht. So viele Moskitos habe ich im Januar nicht erwartet und bin froh, dass ich die Menge Schutz wie normalerweise im November dabei habe.

Am Nachmittag habe ich mit Rise bis in den Abend hinein über den Lohnsteuer-Papieren gegessen. Nach 3,5 Stunden konnten wir beide nicht mehr.

19.01.
Heute klingelte mein Wecker kurz nach acht. Rise war früh bei der Bank und hat mir die Ausgaben für den Tag abgehoben. Er wollte dann weiter zur Beerdigung eines verunglückten Taxifahrers. Wir hatten am Vortag beschlossen, diese Familie aus dem Nothilfefond zu unterstützen. Rise übergab in unserem Namen diese Hilfe und unterstützte privat beim Transport und den Vorbereitungen.

Wir hatten durch eine Terminverschiebung den Rest des Vormittags frei und trafen uns gegen frühen Nachmittag mit Adama Jarju von den Töchtern Gambias. Sie organisiert für uns die 2024er Baumpflanzungen in Siffoe. Zusätzlich unterstützten wir auch diesmal den Kauf von Fussballschuhen für die Mädels. Aus November war noch eine Liste mit 10 Mädchen offen, die bisher barfuß gespielt haben. Dank neuer Kontakte eines Mitglieds haben wir nun auch eine preiswerte Quelle für qualitative Ware gefunden. Adama wird es testen und uns berichten. Es war noch ausreichend Zeit, um zukünftige Pläne der Mädchenhilfe zu besprechen. Ich bin immer wieder begeistert, was für tolle Ideen aus dem Kreis um Adama kommen, und werde diese gern unterstützen.

Mit der Bank telefonierten wir gestern nur, da ein weiterer Nachweis, diesmal der Cashpower-Zahlungsbeleg, fehlte. Den hatten wir nur digital, weil sich von uns niemand mehr in die Schlange bei der NAWEC stellen will, weil man Strom seit geraumer Zeit auch per Handy kaufen kann. Auf derartige moderne Zahlungsmethoden ist unsere Bank noch nicht eingestellt. Also mussten wir Strom auf alte Weise kaufen, um die Bank glücklich zu machen.

Wir sind nachmittags nach Kunkujang Keitaya zu Fatou Gaye gefahren. Fatou hatte in den letzten Tagen unsere Sponsoring-Schilder am Mädchenhaus angebracht. Das wollten wir natürlich gern sehen. Und unserem medizinischen Notfall, einen 10-jährigen Waisenjungen, hatten wir auch versprochen, dass wir ihn nochmal besuchen.

21.01.
Wir besuchten heute Suwareh Kunda. Das ist auch ein Dorf auf der Nordbank. Auf dem ca 15.000 qm community land entstand mit belgischer Hilfe Anfang der 2000er Jahre ein Kindergarten. Seit 2016 baute der Verein Alex zusätzlich eine große Community Klinik auf dem Gelände. Die Klinik soll in diesem Jahr eröffnet und dann gemeinsam als Projekt des GBG fortgeführt werden. Die Klinik wird dann für ca. 17.000 Menschen der erste medizinische Anlaufpunkt werden. Bisher war die einzige Chance auf medizinische Erstversorgung eine kleine Gesundheitsstation in Kerewan oder nach einem langen Weg von ca. 55 km in Farafenni. Wir freuen uns sehr, dass wir Teil der Mannschaft sind, die eine weitere notwendige medizinische Versorgung auf der Nordbank sichert.

Sachspenden-Übergabe im Kindergarten

22.01
Ich hatte am Wochenende der Bank eine Email gesendet und morgens den Erhalt bestätigen lassen. Ein paar Stunden später war die Mail noch nicht bearbeitet.

Rise musste schon wieder zu einer Beerdigung. Ich weiß, dass Sterben in Gambia zum Alltag gehört. Aber zu sehen, wie nahe Vertraute wie Rise alles möglich machen, um der Familie des Verstorbenen zu helfen, bewegt mich sehr. Zu wissen, dass er still trauert und notwendige Dinge trotzdem für uns organisiert plus die betroffene Familie unterstützt, erfüllt mich mit Demut. Es passiert zu oft, und so oft unnötig. An Malaria muss man nicht sterben, Diabetes kann man behandeln, Unfälle kann man vermeiden, und ja, auch mein Kampf gegen FGM ist nicht zuletzt aus der Trauer entstanden…

Nach dem Bankbesuch sind wir weiter nach Bakau und haben Suraya von Help the Poor getroffen. Gemeinsam wollten wir nochmal über sie Steuerunterlagen sehen. Allerdings kam ein medizinischer Notfall dazu dem wir beide versuchen wollen zu helfen. Aber trotzdem haben wir für Mittwoch einen Termin für die Steuer. Wenn das alles noch klappt, wäre ich mehr als glücklich.

Auf dem Rückweg sind wir noch ins Büro der Rentenbehörde in Bakau. Die Unterlagen für unseren Mitarbeiter Rise sind für die Rente nun fast komplett. Eine Altersversorgung und ein Lichtblick, falls wir mal nicht mehr in Gambia tätig sind, ist einfach das mindeste, das wir für ihn tun können.

Das PASST!

23.01.
Der Wecker klingelt um 5.00 Uhr. Wir wollten auf die zweite Fähre um sieben, und unser Auto war voll beladen mit den Stühlen für den Kindergarten in der Sareh Marie Dobo LBS. Es brauchte ein weiteres Auto, weil wir nichts auf Dach laden konnten. Der zweite Fahrer hatte leider verschlafen und wir sammelten, erst als er da war, die anderen auf der Strecke mit einem dritten Auto ein. So starteten wir mit einiger Verspätung im Convoi erst um halb sieben Richtung Banjul. Die ewige Baustelle der Straße machte den Weg nicht leichter.

Dennoch hatten wir Glück. Kurz nach halb acht war die Fähre wieder in Banjul und wir sind mit unseren Stühlen schnell rauf gekommen. Die Beladung der Fähre dauerte leider dennoch eine gefühlte Ewigkeit und die Überfahrt noch viel viel länger. Ich hab schnell für alle Tapalappa mit gekochtem Ei besorgt und dann bei unserem Freund Mr Joof gemütlich mit allen Kaffee getrunken. Es ist eine gelebte Tradition, dass ich das Team als Einsatzleiterin zum Frühstück privat einlade und wir dann gemeinsam starten. Gegen 10.20 Uhr waren wir auf der Nordseite und ich war glücklich.

Auch diesmal waren wir ein großer Trupp und ich freute mich, dass alle bis auf Rise und mich das Projekt noch nicht kannten. Für mich als Projektleiterin SMD ist es wie nach Hause kommen.

Mit Sareh Marie Dobo genieße die Zusammenarbeit sehr und schätze unsere Verbundenheit nicht zuletzt, weil wir immer auf Augenhöhe und konstruktiv und intelligent nach vorn sehen. Sie haben manchmal schneller Ideen, als selbst ich es als geübte Projektleitende konzipiert und finanziert bekomme. Ich mag die Energie, die daraus entsteht, und Menschen, die ihr Gambia etwas besser machen wollen.

Wir hatten im vergangenen Jahr den Kindergarten wieder aufgebaut und wollten jetzt die aktuellen Verbesserungen besichtigen. In den letzten Wochen wurden die Nacharbeiten am Kindergarten beendet. Wir hatten die Wände wieder zuspachteln lassen, die Böden gefliest, den Außenbereich verbessert und Stühle besorgt. Bei unserem Besuch hatten wir 50 Stühle dabei und diese wurden gleich geputzt und in die Klassen gestellt.

Wir suchen noch runde Tische, damit es ein freundliches Lernen werden kann. Auch die erste Tafel ist als Sachspende auf dem Weg und bereits zur Container Beiladung abgegeben.

Unsere zwei zusätzlichen Regale in der Bibliothek wurden bereits vor unsere Besuch angeliefert worden. Wir freuten uns über die Nutzung der Bibliothek und stellten hier, wie auch in einigen Klassenräumen Reparaturbedarf fest. Die Gestelle der Tische sind gut, aber die ein oder andere Tischplatte muss ersetzt werden.

Der Garten wird immer schöner und es wachsen die ersten Tomaten. Bald können die Zwiebeln und das Gemüse die durch das WFP gestellte Mittagessen ( Reis und Oel) unterstützen.

Neben dem Garten ist eine große Freifläche geschaffen worden. Hier soll das Basketballfeld entstehen. Der Kostenvoranschlag übersteigt einfach unsere Mittel und wird in diesem Jahr eher schwierig zu realisieren sein. Aber zusätzliche Bäume als Umrandung und spätere Schattenspender haben wir bereits abgestimmt. Wir sehen was wir in diesem Jahr realisieren können und denken an Mango – und Orangenbäume. Beide Baumarten wachsen recht schnell und wir sind uns sicher, dass die Schüler der SMD diese auch ordentlich Gießen werden.

Die neuen Wasserstellen im Garten müssen noch zwei Wochen austrocknen, aber dann kann abgesehen von der ersten Füllung, die Becken täglich für die Bewässerung genutzt werden.

Wir werden in ein zwei Monaten entscheiden, ob es eine zweite Leitung benötigt, oder ob die jetzige für zwei Becken ausreicht.

Den Wunsch nach einem weiteren Wasserturm haben wir bis auf weiteres abgelehnt. Das Problem ist nicht die Kapazität im Tank oder die Leistung der Pumpe. Sondern: Die Solarfelder müssen in kürzeren Abständen gereinigt werden, dann hat die Pumpe auch ausreichend Power um den Tank schneller zu füllen. Hier haben wir in den letzten Jahren viel dazu gelernt.

Unser Besuch wurde nach einer langen Rede des Direktors mit einem schönen Entertainment Programm abgerundet und fand seinen Abschluss nach einem gemeinsamen Chicken Domoda. Natürlich bedankte wir uns bei den Küchenfrauen, genauso wie bei unserem Kontaktlehrer und verschenkten noch die ein oder andere private Anerkennung.

Wir haben viel gesehen, ich hab mich oft gefreut, habe tolle Ideen gehört und selbst bekommen. Das Essen war toll und die Showeinlagen vom Mütterklub und den Lehrern einfach herzerwärmend. Und ja, der Abschied fiel mir wieder sehr schwer. Aber dennoch wollte ich keine weitere Nachtfahrt auf der Fähre riskieren und war froh, dass wir nach fünf Uhr wieder in Banjul waren.

24.01.
Ich hatte gleich morgens mit Rise einen Termin bei der Bank. Man glaubt es nicht. Zusammenfassung diverser Diskussionen: Ich komme bis zum letzten Tag nicht an unser Konto. Damit war unser erstes Tagesziel gescheitert und wir fuhren weiter nach Kotu. Trafen dort Suraya von Help the Poor and Needy e.V. und borgten uns ihren Mann zur Unterstützung bei den Finanzbehörden. Nach einem ernsten Gespräch reichten wir sämtliche Lohnsteuernachzahlungen für unseren Mitarbeiter Rise ein. Und sogar eine Vorauszahlung bis Dezember 2024.

Es ging weiter zur Rentenstelle. Der Bearbeiter vom ersten Mal checkte unsere Unterlagen. Nachdem er alles für richtig befunden hat, durften wir ins nächste Büro. Und dann kam etwas mehr als Positives. Eine Bearbeitungsnummer gibt’s nur mit PC (der wegen kaputten Kabels nicht funktioniert), aber ich sollte meinen WhatsApp-Kontakt da lassen. Noch am gleichen Abend kam ein WhatsApp. Hier werden also auch dienstliche Kontakte über das private Handy gepflegt. Wenn mir der Gedanke vorher gekommen wäre, hätte ich es in der Bank versucht.

Am Nachmittag war unsere Reise durch Büros in Gambia beendet. Unsere Truppe fand sich am Strand zusammen und besprach die ein oder andere Idee. Es wird spannend in 2024.

25.01.
Heute hätte ich einfach auf meinen Bauch hören sollen. Aber nein, ich nahm einen Auftrag an. Die junge Dame, die für ihre Glaukom-Behandlung einen Sponsor hat, versuchte, die Spende in bar zu bekommen, vermutlich ohne die notwendigen Medikamente und Brille zu kaufen.

Ich bat sie pünktlich zu sein, sie sollte sich anmelden, untersuchen lassen, die Brille aussuchen und dann komme ich zum Check, Rücksprache und für die Bezahlung zu 09:30 Uhr. „Ich bin da und ja werde das machen“ war nach einigen sinnlosen WhatsApp das klare Statement der Dame am Telefon. Wir starten also etwas schneller in den Tag und suchten uns ein Taxi, da ich Rise für eine so kurzfristige Planung nicht aus dem Bett werfe. Unser Fahrer war schnell da, wir frühstückten nicht und waren stattdessen kurz nach 9.00 Uhr am Kanifing Hospital. Was soll ich sagen… Sie war nicht da. Weit nach uns traf sie ein und dann kam etwas, dass ich erstmal noch verdauen muss: Nach ein paar Minuten rief sie mich, führte mich in ein Lager der optischen Abteilung, erklärte mir, die Brille kostet 2.000 Dalasi, und ich sollte bei der Frau da bezahlen. Ohne Beleg, ohne alles, mit einer angeblich ausgesuchten Brille, deren Größe schon klar kein Sonnenschutz bringen könnte. … Und erklärte noch einmal unsere Regeln und bezahlte natürlich nicht. Ich suchte mir dann auf dem Gang eine wichtig aussehende Unterstützung, erklärte ihm, dass ich bin im Auftrag unserer Organisation da bin, um Brille, Medikation und Untersuchung für diese Patientin zu übernehmen. Sofort öffneten sich Türen.

Auf die erste Untersuchung warteten wir durch die nicht erfolgte Anmeldung natürlich sehr lang. Da die Patientin seit Monaten zu keiner Untersuchung kam, war ihre Akte damit so etwas wie verschwunden. Also alles neu. Na super. Und nein es lag nicht am Geld, denn die Untersuchung ist kostenfrei.

Beim Aussuchen der Brille war schon klar: Sie will die einfachste Brille für 2.000 GMD und den Rest der Spende bitte in bar. Wir einigten uns auf eine gute Brille für 3.000 GMD und nix in bar. Bis zu diesem Zeitpunkt bin ich davon ausgegangen, dass sie eine Sonnenbrille braucht. Aber eine Sonnenbrille hatte sie dabei. Die Optikerin war mit dem UV-Schutz auch zufrieden und erkläre mir, diese neue Brille färbt sich außerdem noch ein und bietet besseren Schutz für die Augen. Ok. Gekauft, bestellt, bezahlt.

Die zweite Untersuchung ergab, dass sie ihre Medikamente nicht nimmt und auch sonst keine Verabredung zur Untersuchung eingehalten hat. Der Augendruck muss regelmäßig gemessen werden. Ich nahm das Rezept entgegen und bedankte mich bei Arzt für die deutliche Erläuterung. Ich hoffe, sie verstand jetzt endlich dass der Augendruck das Risiko für sie ist.

Wir nahmen sie mit zur Apotheke ihrer Wahl und gaben die restliche Spende in der Apotheke aus und besorgten für zwei Monate beide Medikamente. Ich hab mir mal die Quittung abfotografiert, da mir die gesamten Preise in der Apotheke zu teuer erschienen. Als wir wieder im Auto waren, sah ich eine Apotheke, in der ich schon Medikamente gekauft hatte. Wir hielten kurz an und ich kaufte für einen weiteren Monat die Medikamente. Und mein Bauch hatte recht. Hier bekomme ich die 2,5 fache Menge für das gleiche Geld. Und damit ist klar, welchen Bedarf ich dem Sponsor mitteile. Ohne eine solche Prüfung wären wir jeden Monat von dem höheren Geldbedarf ausgegangen.

Nach dieser anstrengenden Aktion kamen wir endlich, und zu spät, zu Fatou Gaye ins Kinderschutzhaus. Unsere Praktikantin Ruth war an ihrem letzten Tag immer noch im Dienst, denn Geburten warten halt nicht auf Abschiede. Wir verabschiedeten uns von allen und traten im Darra-Innenhof auf reges Treiben – Party-Vorbereitungen für Ruths Abschied.

27.01.
Wir haben gemütlich gefrühstückt und unsere Koffer gepackt. Trotz Einkäufe für den Flohmarkt ist das Gewicht auf der Rücktour kein Problem. Der Tag lief so langsam vor sich hin. Gegen Mittag kam Rise zur Übergabe der Unterlagen. Es fehlte nicht viel und das Wenige nimmt die nächste Postbotin in zwei Wochen mit. Wir sind noch durch die Patenschafts-Warteliste der Notfallkinder im Süden gegangen. Aus den Projekten kamen noch ein paar schöne Bilder.

Ohne Stress flogen wir nach Barcelona und sind auch in Berlin sicher gelandet.


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