Wie ist das möglich? – Indem Scammer im Team arbeiten und ganze eigene „Realitäten“ aufbauen und nach Szenarien arbeiten. Hier lautet das Szenario z.B. „Schwere Erkrankung“ und damit wird ungefähr so gearbeitet: Ein Scammer behauptet dem (potentiellen) Opfer gegenüber, plötzlich sehr krank zu sein. Oder die Mama, ein Bruder, ein Kind oder wer-auch-immer ist plötzlich krank. Man sei auch schon bei einem Arzt gewesen und dieser hätte ein Röntgenbild erstellt. Ob man mit dem Arzt sprechen und das Röntgenbild sehen wolle? Wenn das Opfer mit Ja antwortet, wird der Kontakt zu einem anderen Scammer hergestellt, der ein paar medizinische Kenntnisse hat und in die Arzt-Rolle schlüpft. Das Röntgenbild, wichtige Textbausteine und Wenn-dann-sonst-Szenarien, falls das Opfer zögert und nachfragt, findet der Scammer in seinem großen Datenpool, den er sich mit anderen Scammern teilt. Und für den Zugriff vermutlich eine Provision zahlt. Dort finden sich möglicherweise auch gefälschte Klinikrechnungen und dergleichen.
Wie kann so etwas auffliegen: Wenn das vermeindliche Opfer mehr medizinischen Sachverstand auf seiner Seite hat, als der Scammer denkt, und tiefergehende Nachfragen stellt. Oft ändern sich dann plötzlich Diagnosen oder ähnliches. Deshalb:
- Man kann nach Kliniken im Internet suchen und dann dort anrufen. Aber weiter Vorsicht, es kann auch eine komplett gefälschte Klinik-Webseite sein.
- Man kann schauen, welches Röntgenlabor die Aufnahme gemacht hat, und dann dort anrufen.
- Man kann eine medizinisch gebildete Vertrauensperson bitten, mit dem „Arzt“ in ein ausführliches Gespräch zu kommen.
- Man kann z.B. vorschlagen, dass der kranke Mensch in die ASB-Klinik in Dippakunda geht und das damit begründen, dass dort deutschsprachiges Personal ist, mit dem man später die Diagnose besprechen kann. Auch unser Verein hat Kontakte zu vertrauenswürdigen Ärzten, die schon öfter Scamming entlarvt haben.
Wenn es sich um einen Scam handelt, dann wird der Scammer z.B. die Diagnose wechseln, den Wechsel der Klinik verweigern oder behaupten, dass die vorgeschlagene Klinik ihn nicht annimmt. Und mit absoluter Sicherheit wird der Scammer den psychischen Druck auf vielerlei Weise merklich erhöhen, ohne seinerseits irgendeine sinnvolle Maßnahme zu ergreifen.
Hier gilt in ganz besonderem Maße:
- Vertrauen Sie Ihrem Bauchgefühl, dass etwas nicht stimmen kann.
- Zahlen Sie nicht überstürzt. Schon gar nicht, wenn Sie nicht absolut 100% genau wissen, an wen und warum.
- Blockieren Sie alle Kontaktdaten. Ohne Ankündigung. Ohne Reue.
- Sichern Sie Ihre Chats, Emails etc. Melden Sie das Profil. Erstatten Sie Anzeige.
- Holen Sie sich Ihr Selbstbewusstsein zurück: Brechen Sie Ihr Schweigen, sprechen Sie sich aus. – Sie sind nicht allein mit Ihren Erfahrungen. Scamming ist ein weltweites Milliardengeschäft.