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Das Einsatzteam besteht aus Anja, Sabine, Harald und Meike. Noch in der Nacht vor dem Start gab es etwas Aufregung. Die ursprünglichen Flüge wurden storniert und das Team musste sich statt auf Berlin-Brüssel-Banjul auf Berlin-Paris- Casablanca-Banjul einstellen. Nicht nur, dass das eine mega ungünstige Ankunftszeit bedeutet, es ist genau das, was niemand wollte und weshalb alle bei SN Brussels gebucht hatten.
4./5. November – Abreise nach Gambia
Der Abflug am BER hat aber am Morgen super geklappt und wir hoffen, dass alle gesund und mit vollständigem Gepäck am nächsten Morgen in Gambia landen. Bis Paris lief erstmal alles nach neuem Plan und so wird es hoffentlich weiter gehen.

7. November
Heute war der erste vollständige Tag in Gambia. Am Vorabend hatte Rise uns noch die Teamkisten aus der letzten Containerbeiladungen gebracht. Wir haben ausgiebig und entspannt unter unserem Mangobaum gefrühstückt und geduldig die Avocado am Baum daneben beobachtet. Zwei Mal hatten wir Glück und 2 mega Avocado vielen herunter. Das Frühstück ist damit für den nächsten Tag gesichert. Im Anschluß haben wir die erwähnten Kisten sortiert und unsere Aufgabenpakete für die Projekte gepackt. Gut, dass in der Teamkiste ausreichend Gaze und Panzerband war, denn damit wurden die Fenster besser gesichert. Noch immer stehen in einigen Straßen Wasserlöcher, und Moskitos will keiner von uns im Schlafzimmer. Gegen frühen Nachmittag bin ich zum Treffen mit Sponsoren und anschließend an den Strand. Dort habe ich endlich den Plan für die nächsten Tage erstellt und im Anschluss mit Rise besprochen. Wir haben erst als es dunkel war den Strand verlassen und im Justice gegessen.







8. November
Am morgen wurden wir vom Regen wach. Regen im November hatten wir in all den Jahren noch nicht wirklich und schon gar nicht so heftig. Unser Samstag begann trotzdem entspannt mit einem tollen Frühstück. Allerdings diesmal im Appartement am Esstisch. Dafür ist eine gemeinsame Unterkunft wirklich perfekt. Gegen 9:15 Uhr sind wir zu unserem ersten privaten Teamevent aufgebrochen. Ich hatte uns bei Ida ein gemeinsames Kochen gebucht und war sehr froh, dass der georderte Fahrer uns sicher und etwas verspätet bei Ida ablieferte.
Wir wurden tanzend begrüßt und hatten wirklich tolle Stunden. Gemeinsames Gemüse schnippeln und die Schritt für Schritt Anleitung zu unserem ersten gemeinsamen Benechin waren großartig. So wirklich gekocht haben wir nicht selbst. Aber in den Topf geben und die Tricks, Zeit und Mengenangaben haben uns schon etwas geholfen, um es zu Hause erneut noch einmal zu versuchen. Benechin – was so viel heißt wie „aus einem Topf“ ist ein toller, gewürzter Reis, ähnlich Paella oder Risotto. Wir hatten dazu Gemüse (Kartoffel, Karotte, Kürbis, Süßkartoffel, Kohl, Obergine, Kasava) und Fisch (Ladyfisch). Für den Sud kamen Knoblauch, Zwiebeln, Grüne Pfefferschoten, Lauchzwiebeln, Tomaten und Tomatenmark dazu.
In der Zeit zwischen den einzelnen Aufgaben hatten wir einen lustigen Workshop mit Idas Schwiegertochter. Sie hat mit uns Schmuck gemacht und ich trage seit heute mein erstes selbst gemachtes Binbin. Ein Frau ohne Binbin ist einfach nicht vollständig, wenn sie gambisch fühlt.
Der Tag verlief damit sehr kurzweilig und gegen halb vier sind wieder zurück gefahren. Natürlich nicht ohne dass die Mädels nochmal zusammen getanzt haben.
Am frühen Abend wurde gebastelt. Wir probieren Dinge, die wir mit den Kids im den Projekten machen könnten, und sind relativ spät zum Einkauf und haben auf dem Rückweg an einer Straßenküche nur Omelett mit Zwiebeln und Tapalappa gegessen.




9. November, Sonntag: Kinderschutzhaus und Klinik Kunkujang Keitaya
Heute sind wir mittags nach Kunkujang Keitaya zu Fatou Gaye in die Sheikh Tihami Ibrahim Nyass Clinic mit angeschlossenem Kinderhaus gefahren. Auf dem Weg holte das Team noch 5 Wassermelonen für die Kinder im Darra.
Wir hatten in den letzten Containerbeiladungen Desinfektionsmittel und medizinische Handschuhe und andere medizinische Hilfen und haben diese an Fatou übergeben. Aktuell sind 4 Malariafälle stationär in der Klinik. 3 Kinder aus umliegenden Darras und ein kleiner Junge aus Fatous Darra. Die Mädels sind alle gesund und freuten sich über die Melonen. Natürlich wurde auch mit den Jungs geteilt. Während die Damen in der Küche den Reis wuschen und das Essen vorbereiteten, sind wir mit Fatou durchs Darra und anschließend durch die Klinik gelaufen. Im Kreißsaal unterstützte Fatous Tochter Aji Fatou gerade eine werdende Mutter bei der Geburt, sodass wir diesen natürlich nicht besuchten und auch das Geburtenbuch nicht dokumentierten. Zwischenzeitlich erhielten wir einige Fotos; das Baby ist wohlauf und Aji Fatou sichtlich stolz. Nicht ohne Grund. Sie meistert gerade ihr Studium zur Hebamme und unterstützt Fatou in der Klinik parallel enorm.



















10. November, Tallinding, Kairaba Nursery School und medizinisches Patenkind
Montag sind wir nach Tallinding gefahren. Unsere neue Taxi-App hat uns diesmal eine unangenehme Begegnung beschert. Der Fahrer, der den Trip bestätigt hatte, war kein Fahrer und hatte vermutlich noch einiges an Restalkohol im Blut, als er an unserem Tor stand. Der Kerl war ein geschäftstüchtiger Vermittler für Taxis. Es dauerte eine Weile, bis er endlich aufgab und die Fahrt stornierte. Wir buchten neu und sind dann entspannt nach Tallinding gefahren.
In Tallindings Kairaba Nursery School mussten wir leider feststellen, dass in den neuen Toiletten schon der erste Rohrbruch vorlag und nicht fachmännisch repariert worden war.
In den Klassen war reges Treiben, auch wenn gleich zwei Lehrer*innen fehlten. Es gibt wieder Nachwuchs bei Mrs Nyjang. Und einer der Lehrer fehlte, weil er mit einem kranken Kind unterwegs war. Zur Aushilfe war eine Schülerin der Primary School (Grundschule) da, die selbst schon Schülerin der Nursery (Kindergarten/Vorschule) gewesen war. Auch ein weiterer junger Helfer, mit gleicher Vorgeschichte, unterstützte.
Der Direktor Yankuba nahm sich dennoch die Zeit, mit uns zu unserem Sorgenkind Adama zum Übersetzen zu kommen.
Wir trafen Rise, unseren Mitarbeiter, am Nachmittag in der Bank. Ich hab nun meine Teamkasse auf mein Einsatzkonto transferieren können. Das macht uns unabhängiger, wenn wir ohne Mitarbeiter unterwegs sind.




11. November, Kindergarten Linden in Janbang und Faraba Sutu
Wir haben uns um 9 Uhr in großer Gruppe getroffen und sind gemeinsam nach Jabang zum Kindergarten Linden gefahren. Leider hatte der Fahrer den Weg nicht annähernd auf dem Plan und ich habe den Abzweig mit den Mädels verquatscht. So haben wir 28 km Umweg und 45 Minuten im Zeitplan verloren. Der Kindergarten Linden beeindruckt jeden Besucher. Hier gibt es solide gebaute Häuser und ein mehr als gut durchdachtes Konzept. Großartig auch die traumhaften, alten Bäume auf dem Gelände. Es ist wirklich eine Oase, nicht nur klimatisch. Wir haben dort Lain besucht, ein ehemaliges Patenkind, der nach seinem erfolgreichen Studium und Praktikum dort seinen ersten Job antreten darf. Er ist ein toller junger Mann geworden und ich hab mich sehr für ihn gefreut.
Den Zeitverzug vom Hinweg konnten wir nicht mehr aufholen und sind damit sehr spät nach Faraba Sutu gestartet. Als wir ankamen, war das Essen gerade vorbei und die Frauen spülten das Geschirr. Die Lehrer waren noch mit den Kindern beim Zähneputzen. Wir erfreuten uns beim Rundgang durch die Klassen, am Spielplatz und dem gestarteten Garten.
Beide Küchenfrauen erhielten für ihre tolle Arbeit einen Bonus und haben sich sehr gefreut und uns darauf hingewiesen, dass wir auch noch zum Mittag eingeplant sind.
Wir schafften noch einen Besuch in der neuen Lower Basic School und waren überrascht, dass dort nur die Klasse 1 eröffnet ist. Mr. Sanyang erklärte uns, dass er die Kinder aus Faraba nicht umschulen durfte und deshalb gerade nur die Abgänger des Kindergartens in Klasse 1 sind. Es wird damit 6 Jahre dauern, bis alle Klassenzimmer besetzt sind. Als Gemeindeschule nimmt die LBS Faraba Sutu 500 Dalasi Schulgeld pro Term.
Gegen 14.15 Uhr traten wir den Heimweg an und hatten vorher den Batikworkshop für Sonntag vereinbart. Wir sponsern wieder den Workshop für die Frauen in Faraba Sutu und werden selbst dabei sein und haben, deshalb unseren Anteil für das Material privat bezahlt.















13. November, Nyofelleh
Heute war das Team noch einmal mit Unterstützern und Sponsoren unterwegs. Der Besuch in Nyofelleh war vor allem von einer langem Anreise geprägt. Die Straßen waren durch den Regen noch stark beschädigt und teilweise noch kleine Seen.
Auf dem Weg holte das Team noch 6 Wassermelonen und hoffte, den Kindern damit eine Freude zu machen.
Der gespendete Schrank aus dem letzten Container konnte leider nicht vollständig fixiert werden. Wir hatten keinen Schraubenzieher dabei und mussten die Montage der Griffe auf den nächsten Besuch von Rise verschieben.
Wir waren etwas enttäuscht, dass die gerade frisch gestrichenen Klassenzimmer schon wieder abgenutzt aussahen. Wir haben mit Fatou Gibbeh als Direktorin besprochen, dass wir ein vereintes Engagement brauchen, um den Kindergarten voran zu bringen.
Die Ausbesserung des Bodens vor den Klassen haben wir bereits beauftragt, auch der Außenanstrich ist kalkuliert und in Vorbereitung.
Wir haben im Team überlegt, ob die Damen vielleicht etwas beruflichen Support benötigen, und wir überlegen, sie mal zum Praktikum zu Mr Sanyang zu senden. Das müssen wir aber erst noch intern besprechen.










14. November, GOVI – Gambian Organisation for the Visual Impared (Gambische Organisation für Sehbehinderte)
Wir sind gegen 10 Uhr nach Kanifing zur GOVI aufgebrochen und folgten damit der freundlichen Einladungen von Mr Darboe. Er hatte uns schon lange vor dem Einsatz um den Besuch in der Sehbehindertenschule gebeten. Das Konzept klang toll, aber für die Umsetzung fehlt es – so unser Fazit – noch an professionellem Wissen, an Verbrauchsmaterial und vermutlich auch an Personal. Wir werden das Projekt im Auge behalten, aber vorerst eine Förderung nicht in Betracht ziehen.




15. November
Am heutigen Samstag morgen haben wir den gestrigen Wasserschaden überwunden. Nach einem gemeinsamen Frühstück sind wir gegen 10 Uhr mit dem Tuktuk Richtung Serekunda Markt aufgebrochen. Dort trafen wir zwei unserer studierenden Patenkinder, für die ein paar Dinge eingekauft wurden. Rucksäcke, Schuhe, Hefte und Taschenrechner muss man wirklich nicht nach Gambia schleppen.
Einer der beschenkten Jungs hatte eine dicke Wange und ziemliche Zahnschmerzen. So fuhren wir zur Lux Dental Clinic. Er braucht leider braucht erstmal Antibiotika und einen Röntgentermin. Wir fuhren weiter zu einer Apotheke in Kololi, die sehr sicher dieses spezielle Antibiotika haben sollte. So war es dann auch.
Nach einem kurzen Stopp im Hotel machten wir uns auf nach Brusubi. Wir wollten den im neuen Reiseführer beschriebenen Streetfood Markt finden. Ich glaube, ich habe noch nie so ungläubige Gesichter gesehen wie wenn ich nach diesem Markt fragte. Am Ende sind wir in einem Local Restaurant eingekehrt und haben dort lecker Fisch gegessen.
Auf der Rücktour nahmen wir ein Taxi bis Senegambia und sind dann nach einem kurzen Stopp zum Kaffee trinken am Strand in der Abendsonne gelaufen. Was für ein tolles Licht und endlich mal frei Atmen.






16. November, Batikworkshop in Faraba Sutu
Heute sind wir früh aufgestanden und um 8 Uhr zu einem weiteren Batikworkshop nach Faraba Sutu aufgebrochen.
Es begann typisch gambisch durcheinander. Die von uns bestellten Tücher für die Tische waren trotz lang besprochener Bestellung nicht vorbereitet. Bis die Maße genommen waren, der Stoff zugeschnitten und alles beim Schneider ankam, hat es etwas gedauert. Meike und Anja nutzten die Zeit, um die fehlenden Servietten materialsparend aus den Resten zu schneiden. Dann gab es erstmal Frühstück. Spätestens jetzt war mir klar, warum der Workshop sonst 2 Tage dauert. Ich musste schmunzeln und versuchte ab da an, einfach alles so zu nehmen, wie es kommt.
Dann durften wir die Stoffe falten, aber das Design wollte der Workshopleiter selbst aufmalen. Ein paar Linien durften wir noch zeichnen, dann ging es an die Nadeln. Mir war bis dahin nicht bewusst, dass ein Teil des Designs durch Fäden entsteht, die wir entlang der Linien einzogen und dann den Stoff daran rafften. Der Rest wurde dann abgebunden und in Falten gelegt. Aber auch das machte der Meister lieber allein.





In dieser Zeit sind Anja und Harald durchs Dorf geschlendert und haben sich endlich mal Faraba Sutu richtig angesehen. Wir starteten am neuen Wassertum, am Markt vorbei und weiter zur Moschee. Diese wird gerade saniert und es waren wirklich eine Menge Handwerker sehr beschäftigt. Die kleine Moschee für die Frauen wird nicht saniert. Dafür entsteht ein Hygieneraum zur Totenwaschung im Nachbargebäude. Sogar die Einfahrt ist bereits in Vorbereitung.


Weiter ging es zu einen der beiden Frauengärten. Es fehlt an einer Pumpe und einem Wasserturm. Alles wird aus einem tiefen Brunnen geschöpft. Das ist wirklich eine Knochenarbeit.

Farabas Alkalo, Mr. Sanyang – der Bürgermeister, nicht gewählt, sondern unter den Gemeindeältesten auserkoren – begleitete unseren Weg. Wir arbeiten mit Mr. Sanyang seit Jahren zusammen. Er hat eine bewundernswerte Energie, viele Ideen und auch die Fähigkeiten, Sponsoren zu finden, um Faraba Sutu voran zu bringen.
Auf dem Weg zur Kirche erzählte er uns, dass hier überdurchschnittlich viele Christen leben. Er sprach von mehr als 35 Prozent. Das ist für Gambia wirklich ungewöhnlich. Augustin, ein Lehrer im Kindergarten, ist einer davon. Wir trafen ihn und seine Familie im Compound nahe der Kirche. Ihm geht es wirklich wieder richtig gut. Und er sprach mir erneut den Dank an uns aus (GBG hatte Behandlungskosten übernommen für eine langwierige Krankheit). Er hätte die Behandlung und Untersuchungen nie allein geschafft.
Die Kirche ist ein solides kleines Gotteshaus mit integrierten Tafeln für die Christenlehre. Ich empfand es als angenehm kühl und traf da einen weiteren Lehrer, der gern nächstes Jahr an der neuen LBS in Faraba arbeiten will. Mr. Sanyang erzählte uns, dass es seit einer längeren Zeit einen Einstellungsstopp an staatlichen Schulen gibt. Und allein in Faraba Sutu einige Lehrer ohne Arbeit sind, obwohl sie gut ausgebucht sind.

Auf der weiteren Runde durch Dorf besuchten wir ein Darra. Ein typisches, für Jungs angelegtes Kinderhaus zum Studieren des Korans. Die Jungs dort schlafen auf Matratzen auf dem Boden und haben keine Betten. Allerdings sahen alle gut ernährt und angezogen aus. Finanziert wird das Haus durch dir muslimische Gemeinde.

Vom Darra ist es nicht weit zur neuen Lower Basic School und dahinter endete unser Rundgang und wir waren zurück am Kindergarten und beim Batikworkshop.
Die Stoffe wurden in Wasser getaucht und dann so gelegt, dass das Färben später auch den Effekt an der richtigen Stelle im Muster kommt. Das ist eine ganz eigene kleine Kunst, die sich uns nicht so ganz auf die Schnelle erschlossen hat. Auf jeden Fall war es mega interessant, auch wenn wir die meiste Zeit mit Handschuhen und Maske nur zusehen durften. Wir hatten trotzdem viel Spaß an diesem langen Tag.





17. November, Gambia-Nord
Montag sind wir um 6.30 Uhr gestartet und wollten die zweite Fähre schaffen. Das Team hatte sich krankheitsbedingt halbiert und die Menge vom Gepäck passte nicht für zwei Fußgänger ohne Auto. So half uns jemand und verdiente damit auch ein gutes Geld. Die Fähre war pünktlich da und wurde gerade beladen, als ich unsere Tickets kaufte. Da wir diese Woche auf unseren Mitarbeiter im Süden verzichten mussten, war die Überfahrt von mir ohne Auto und mit einer Übernachtung im Norden geplant. Wie hatten also zu den Spenden auch beide noch eine private Tasche mit dabei. Pläne ändern sich, wie der Verlauf dieses Berichts gleich zeigen wird.
Unser zweiter Mitarbeiter erwartete uns in Barra mitsamt bestelltem Taxi. Ich holte noch schnell mein und sein Frühstück und für uns Mädels heißes Wasser und Tee. Der erste Weg führte uns über Essau nach Ndofan. Ich wollte in Essau den Malaritest wiederholen. Klappte nicht. Mit stetig steigender Körpertemperatur haben wir dennoch die Lodge gecancelt, um abends wieder zurück zu fahren.
Die Nordbank ist noch grün und nur die gerade abgeernteten Erdnussfelder läuten das karge Aussehen der nächsten Monate ein. Auf einigen Feldern war noch ordentlich Betrieb; die meisten Bauern hatten aber ihre Ernte bereits geschafft. Hoffen wir mal, dass dieses Jahr die Abnahme durch die Regierung klappt und kein weiteres Elendjahr für die Ernussbauern im Norden ansteht.




Der Basic Cycle School Ndofan hat uns mehr als herzlich begrüßt. Sie wollen unseren Verein unbedingt als Sponsor zurück gewinnen und haben sich wirklich Mühe gegeben. Hier ein paar Eindrücke des Programms, dass zu unseren Ehren und als Anerkennung für viele Jahre Unterstützung gestaltet wurde.
Ndofan hat sich an unsere Abmachung gehalten und in eigener Initiative wieder ein paar Klassen gestrichen, Möbel repariert und die Belüftung der Klassenzimmer durch das Entfernen der Fenstersteine und Beauftragung und Bezahlung der ersten 3 neuen Fenstergitter bewiesen. Da ein Deal ein Deal ist, haber wir die Kosten für die nächsten 3 Fenstergitter im Namen des Vereins übergeben. Die 5.000 Dalasi sind Teil der allgemeinen Spenden. Da weiter leider keine Spenden für Ndofan bei uns eintrafen.








Es ging weiter nach Medina Sering Mass. Wir hatten die letzten beiden Boxen mit Schulrucksäcken für die erste Klasse dabei und wollten nach der Lehrerin Mrs. Bah im Kindergarten sehen. Diese starke Frau hat nur ein Bein und stellt sich so selbstbewusst dem Leben, Job und der Familie. Wir schätzen sie sehr und haben beim Besuch eine studentische Praktikantin getroffen, die ich für eine Schülerin hielt. Sie sah so jung aus und ich konnte nicht glauben, dass sie schon 24 ist.

Dann ging es endlich nach Sareh Marie Dobo. Unser Gute-Laune-Projekt. Gerade ist das Bantaba, der offene Pausen- und Gesprächsplatz, fertig geworden und wir feierten das gemeinsam bei einer kleinen Party mit Essen und Getränken. Die Schilder, die auf unsere Kooperation beim Bau verweisen, wird Mr Touray für später anbringen.
Unser Unterernährungsfall aus SMD ist auf einem guten Weg ist. Das Mädchen ist noch immer zu klein, aber nähert sich langsam der Entwicklungskurve, die wir ihr wünschen.
Wir nahmen noch die neuen Patenkinder auf und machten einen kleinen Abstecher in den Garten. Dann war es Zeit für die Heimfahrt.



Wir waren kaputt und müde, aber auch glücklich und vor allem richtig satt. Gegen halb sechs startete die Fähre und wir waren ein weiteres Mal dankbar, dass gerade alle Fähren im Einsatz sind und wir ohne Auto entspannt auf die Fähre laufen konnten. Sie tuckerte etwas, aber wir waren im schönsten Abendlicht zurück in Banjul.

Das Taxi in Banjul klappte auch super. Der Verkehr war erträglich und zack waren wir beim Malariatest in Senegambia. Unser Team ist da in diesem Jahr bereits Stammgast. Wie zu erwarten, bestätigte der Test, dass auch Anja Malaria hat. Mein Bauch hatte mir das bereits morgens gesagt und ich hatte deshalb in Essau Malariamedikamente gekauft. So ging es noch immer schmutzig mit dem Tuktuk nach Hause. Der Rest erwartete uns bereits mit gedecktem Tisch und auch nicht wirklich fit. Trotzdem saßen wir noch etwas zusammen und dann hieß es Wecker stellen und Pillen und essen bereit legen.
19. November, Frauengärten in Kitty (Hand in Hand e.V.)
Am Mittwoch ging es nach Kitty. Genauer gesagt, in die zwei Frauengärten von Hand in Hand e.V. im Ort. Ungewöhnlich viele Kinder waren im Garten, eigentlich ist das nicht erlaubt. Aber süß waren sie trotzdem. Wie sie so ganz unauffällig ihre kleinen Hosentaschen mit Mandarinen füllten. Grundsätzlich sind aber die Orangen, Zitronen und Mandarinen zum Verkauf gedacht, um daraus die notwendigen Instandhaltungsmaßnahmen zu bezahlen. Ein tolles Konzept und sehr erfolgreich. Kerstin führte uns persönlich mit dem gambischen Partner durch die Gärten in Kitty, die mal der Startschuss für diesen so unfassbar wichtigen Verein waren. Nun sind es weit mehr als 20 Gärten, und ich die beiden denken nicht ans Aufhören. Empfehlung: Verschenkt doch mal Orangenbäume zu Weihnachten. Ganz virtuell und auch mit Zertifikat, könnt ihr Bäume spenden, die im nächsten Garten wieder die Möglichkeiten zur Selbsterhaltung bieten. Pumpen oder Wasserbecken halten nicht ewig, dass haben wir in Kitty gesehen. Da werden die Becken gerade nach 10 Jahren erneuert bzw. repariert. Die nötigen Rücklagen erwirtschaftet jeder Garten mit dem Verkauf der Orangen. Den Erlös der Beete haben die Frauen bzw. ihre Familie für sich. Und dieses Konzept der Hilfe zur Selbsthilfe ist großartig. Spender für Bäume werden immer gebraucht. Fragt gerne nach den Links zur Baumspende. Auch eine schöne Unterkunft in Sanyang können wir empfehlen.



20. November, Gunjur
Donnerstag morgen war das Taxi mehr als pünktlich da. Unsere letzte Fahrt sollte uns nach Gunjur führen. Da wir schon um 10 Uhr starteten und super durch den Verkehr kamen, blieb noch ausreichend Zeit für den Besuch der berühmten Moschee und einen Strandspaziergang zum Muscheln sammeln.
Im Anschluss haben wir Adama Jarju von Daughters of Gambia getroffen und 100 Orangen á 200 Dalasi für ihre nächste Pflanzaktion bestellt. Die Pflanzungen in ihrer Heimatstadt Siffoe können wir leider nicht mehr begleiten. Die wird Adama mit ihren Frauen organisieren. Wir freuen uns jetzt schon auf die Fotos und Infos.
Adama hat uns auch zu unserem eigentlichen Tagesziel in Gunjur geführt: Precious Plastic Gambia. Das Unternehmen recycelt Abfallplastik. Anja hat gleich mal 20 Schlüsselanhänger als Schildkröten á 200 Dalasi für den Flohmarkt gekauft und sich die Schulmöbel (Stühle für unsere Kindergärten?!) angesehen.
Die Erläuterungen zum Projekt klingen viel versprechend. Bei unserem Besuch waren holländische Volontäre da und unterstützten die Fertigung von Ohringen, Schlüsselanhängern und Linealen. Im Gespräch kamen wir auf die gerade entstehenden Stühle. Sie werden für 800 Dalasi pro Stück verkauft, was ein super Preis ist. Bestellungen und der Austausch sind per Mail oder WhatsApp vereinbart. Eine große Produktion ist noch nicht ersichtlich. Es wird also etwas dauern. Gerade wird an einer Bestellung für ein anderes Projekt gearbeitet. Aber wir haben ja Zeit. Und mir ist es lieber, wir verwerten den Müll, der in Gambia bereits ist, als Schulmöbel aus Europa zu holen. Der Transport würde sogar mehr Kosten als das Upcycling.
Auf dem Rückweg haben wir in Tanji gehalten und noch etwas eingekauft. Wir hatten einen wirklich schönen Ausklang des Tages. Nur leider keinen Sonnenuntergang. So konnten wir mit einem letzten gemeinsamen Abendessen entspannt den Tag ausklingen lassen.








21. November: Letzter Tag & Heimreise
Uns erreichten die ersten Schnee- und Frostmeldungen aus Deutschland. Das erscheint mir so unwirklich, wenn frau 15 Minuten nach dem Duschen darüber nachdenkt, ob die Dusche ein Traum war oder eine weitere Dusche notwendig ist. Anja wollte noch bei Alieu mit dem Seifenladen vorbeischauen. Leider war er nicht da.
Anja hat nun endlich auch die Wave App auf dem Handy, zum unkomplizierten Geldtransfer. Wave ist eine tolle Sache, wenn man daran denkt, dass der Transfer 1% kostet und diese natürlich auch mit der Transfersumme zur Verfügung stehen muss.
Auch sehr erfreulich: die Bena App. Das ist Gambias Uber oder Bolt. Eine schöne Sache, wenn man unbekannte Strecken kalkulieren und sich beim Fahrpreis nicht zu sehr veralbern lassen möchte. Der Umgang muss vom ein oder anderen Fahrer noch geübt werden. Und manchmal steht am verabredeten Ort nur ein Mann, der einem ein Taxi vermitteln möchte, aber nicht das Taxi selbst. Irgendwie verständlich denn, Geldverdienen müssen alle; es sind keine leichten Zeiten und die Preise gehen nur nach oben und machen es der Bevölkerung wirklich schwer. Der Kurs liegt nun bei 1:85 und die Auswirkungen spüren alle im Land. – Wenn ein Fahrer gut war und das Auto funktionsfähig aussah, speicherten wir die Nummer. Die App nutzten wir dennoch weiter als Preisindikation, und der ein oder andere Fahrer nutzt sie als Navi.
Am Nachmittag kam Rise und brachte seine Papiere und nahm mir den Teamkoffer und die kleine Kiste fürs Büro ab. Wir hatten ihn für die Rückfahrt gebucht und starteten 17:15 Uhr Richtung Flughafen. Er hatte schrecklichen Verkehr angesagt und wäre gern noch früher gefahren. Das hätten wir nicht geschafft, aber es lief auch so super und wir brauchten keine 30 Minuten. Die Bezahlung beim Gambia-Verlassen dauerte etwas und uns erreichte beim Warten die Info, dass das Prozedere vielleicht nächstes Jahr entfällt. Das wäre sicher sinnvoll für neue Touristen.
Das war ein ganz eigentümlicher Einsatz. Noch nie hatten wir im November so starken Regen und noch nie waren fast alle Teammitglieder angeschlagen. Malaria hatte in den letzten Jahren die wenigsten im Einsatz erwischt. Diesmal waren wir gleich 3 Mitglieder, die Pech hatten. Und das, obwohl die Fenster gesichert und stets für Mückenschutz gesorgt war. Wir sind dankbar, dass wir stets rechtzeitig zum Test gehen konnten, alle Fälle frühzeitig erkannt wurden und wir damit mit der leichtesten Form der Malaria und ein paar Tagen Tabletten Glück im Unglück hatten.
Jetzt heißt es noch Papiere sortieren und die Abrechnung machen und dann ist der Einsatz offiziell beendet.