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Mariama B., Hebamme in Berlin, kam im Sommer 2025 auf den GBG zu, um einen Einsatz zur Freiwilligenarbeit mit uns abzustimmen: Januar bis März 2026 sollte es dann werden. Mariama reiste an, lebte und arbeitete sich bei Fatou ein – und musste dann aus persönlichen Gründen bereits nach drei Wochen abbrechen. Wir hoffen alle gemeinsam, dass sie irgendwann noch einmal nach Gambia zurückkehren kann. Hier ihr kurzer Bericht:
Ankunft
Am Tag meiner Ankunft in Kunkujang Keitaya, The Gambia, wurde ich in der STIN Clinic von Fatou Gaye herzlich in Empfang genommen. Fatou führte mich in mein kleines Apartment mit Bad, Küche und Schlafzimmer. Das Apartment befindet sich direkt auf dem Klinikgelände, was den Weg in den Kreißsaal kurz macht und einen keine Geburt überhören lässt.
In den ersten Tagen konnte ich die Klinik, Räumlichkeiten, das gesamte Personal und deren Zuständigkeiten gut kennen lernen. Der Kreißsaal beinhaltet zwei Liegen, auf denen geboren werden kann, sowie eine Kindereinheit zur Versorgung der Neugeborenen nach der Geburt. Dem Kreißsaal geht ein Raum voraus mit drei Betten, in denen die Frauen vor und nach der Geburt ihre Ruhe finden können, abgeschirmt vom restlichen Klinikgeschehen.
Erster Einsatz als zuständige Hebamme
In der ersten Nacht als zuständige Hebamme ereignete sich ein geburtshilflicher Notfall, welcher eine Verlegung in die nächst größere Klinik notwendig machte. Dank des Klinik-eigenen Ambulanzfahrzeugs, unseres zuverlässigen Fahrers und der guten Zusammenarbeit aller Angestellten im Nachtdienst gelang uns eine erfolgreiche Verlegung um 4 Uhr morgens innerhalb von 10-15min.
Alltag
Ich habe mich gut eingelebt, befinde mich nun in meiner dritten Woche, kenne die Abläufe und genieße die Betreuung der Schwangeren in der Vorsorge sehr. Ich spreche inzwischen ein bis zwei Sätze Wolof, ergänze mich gut mit meinen Kolleginnen und habe bereits einiges dazugelernt.
Gestern habe ich eine interne Fortbildung zur Schwangerschaftsvorsorge mit dem Fokus auf die korrekte Messung des Fundus-Symphysen-Abstands und dessen Zusammenhang mit der Schwangerschaftswoche gegeben. Viele Frauen kennen den Zeitpunkt ihrer Konzeption nicht oder erinnern sich nicht an ihre letzte Periode, was die Bestimmung der Schwangerschaftswoche erschwert.
Anschließend haben wir die Zykluskette besprochen, die den Frauen helfen soll, ihren Zyklus und die damit zusammenhängende Fruchtbarkeit besser kennenzulernen und ein Bewusstsein dafür zu entwickeln. Dieses Bewusstsein fehlt vielen Frauen – das ist mir besonders in Gesprächen zur Verhütung nach einer Geburt aufgefallen.
Eine kleine Mariama
Heute kam eine Frau zur Vorsorge und berichtete über ziehende Schmerzen im Rücken und Unterleib. Sie war mit ihrem vierten Kind schwanger. Ich untersuchte sie und besprach mit ihr, dass sie sich für zwei Stunden etwas bewegen könne; anschließend würden wir erneut die kindlichen Herztöne kontrollieren und sie nochmals untersuchen. Nach der zweiten Kontrolle und erneuten Untersuchung schickten wir sie nach Hause.
Um 5 Uhr morgens erhielt ich einen Anruf vom Nachtdienst. Ich kam in den Kreißsaal und durfte die Frau vom Vortag wieder begrüßen – diesmal jedoch mit kräftigen Wehen und einem deutlich weniger entspannten Gesichtsausdruck. Sie tönte leise vor sich hin und veratmete die Wehen. Gegen 8 Uhr morgens gebar sie vaginal und ohne Komplikationen ihre 3400 Gramm schwere, gesunde Tochter. Die beiden blieben bis zum Mittag in der Klinik, wurden engmaschig überwacht und anschließend nach Hause entlassen. In drei Tagen stellten sie sich erneut zur Kontrolle vor.Bei einer weiteren Wochenbettkontrolle am achten Tag – Mutter und Baby ging es sehr gut – erfuhr ich, dass die Kleine und ich nun denselben Namen tragen, was mich sehr rührte. Die meisten Neugeborenen in Gambia erhalten ihren Vornamen erst am siebten Lebenstag im Rahmen einer Namensgebungszeremonie, die typisch für muslimische Familien ist.Eine Geburt, die ich nie vergessen werde.
Fazit
Mir ist aufgefallen, dass die Arbeit in einer kleinen Klinik wie dieser den Frauen einen engen Beziehungsaufbau ermöglicht. Durch die regelmäßigen Besuche während Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett ist das Krankenhaus nicht mehr das fremde, angsteinflößende Unbekannte, sondern ein vertrauter Ort mit Menschen, denen man vertrauen kann.
Mein Aufenthalt in Gambia war lehrreich, liebevoll, horizonterweiternd und sehr lustig. Ich würde jederzeit wieder hingehen und finde es schade, dass diese Zeit nun vorbei ist.

















