24. Dezember 2024 – René reist ab, Claudia bleibt noch einen Monat
Nach drei Monaten ist unsere gemeinsame Zeit in Kunkujang zu Ende. Es ist viel geschafft worden. Am 23.12.2024 war es endlich soweit, das neu entstandene Labor konnte bezogen werden. Alle halfen beim Umtragen und Mustapha räumte die Schränke nach seinem Ordnungsprinzip ein. Er hat deutlich mehr Platz zur Verfügung und eine saubere Arbeitsfläche. Für die Patienten, die zur Konsultation kommen, steht nun auch eine eigene Toilette zur Verfügung. Es bedeutet für die Klinik ein grosser Schritt der Verbesserung. Perspektivisch soll das Angebot an
Laborleistungen erweitert werden, jedoch war der Kostenvoranschlag für Medizinische Geräte und verschiedene Teste vom Medizinischen Verkaufsshop sehr hoch, deshalb ist dieses Vorhaben vorerst auf der Wunschliste geblieben.
Anfang des Monats besuchte uns eine Kommission der Regierung und es gab einiges an Veränderungsvorgaben, die Fatou auf den Weg bringen muss, um weiterhin ihre Klinik als Basisversorgung für die Menschen zu erhalten. Auch hier gibt es Standards und Vorschriften was Ausstattung für Notfälle und Dokumentation betrifft. Neu ist ein Schockraum (das ist ein Erstkonsultationszimmer für akute Patient*innen) eingerichtet worden. Die
Arbeitsmittel sind alle vorhanden gewesen, sie mussten neu sortiert und aufgeteilt werden. Ajifatou widmet sich der künftigen Archivierung aller Krankenakten, die künftig im alten Labor aufbewahrt werden. Dafür werden im neuen Jahr Regale eingebaut. Wir mussten auch im Geburtensaal einige Kleinigkeiten nachbessern, aber im Grossen und Ganzen haben wir
bestanden.
Geburtenmässig ist gerade eher ruhig, dafür viele Wundversorgungen nach Unfällen. Ich bin immer wieder beeindruckt vom Wissen und Können der Schwestern und Pflegern. Es ist nicht einfach, professionell zu arbeiten, wenn der Patient während der Wundversorgung starke Schmerzen hat. Jedoch sieht man bei den täglichen Verbandswechseln beachtliche Erfolge, die mit einfachen Mittel erreicht werden.
René wollte zum Abschiedsessen, welches zufällig auf den 24. Dezember fiel, unbedingt selber kochen. Schon der Einkauf auf dem Markt in Serekunda war ein Erlebnis und ohne die tatkräftige Unterstützung zweier Frauen aus dem Team nicht umsetzbar gewesen. Da geht es nicht nur um das Verhandeln der Preise, schon die Orientierung ist für Ungeübte schwierig. Wir waren froh, als unser Helfer die vollbepackte Schubkarre zum Treffpunkt an unserem Auto ablieferte.
Die Party startete dann mit der offiziellen Eröffnung des Labors, Essen und Trinken und natürlich Tanzen. Es war ein berührender Abschied, denn wir haben hier in Kunkujang Freunde gefunden, mit denen wir gemeinsam Alltag und Feierabend teilten.
Ich werde in den verbleibenden vier Wochen arbeiten und freue mich auf Anjas Besuch Mitte Januar. Da werde ich die Gelegenheit nutzen, um weitere Projekte vom Verein kennenzulernen.





Anfang Dezember 2024
Inzwischen arbeiten und leben wir seit acht Wochen in Kunkujang. Das Malerprojekt im Darra ist pünktlich fertig geworden. René hatte sich beim Ausbessern und Erneuern der Elektrik in einem Krankenzimmer mehr mit dem gambischen System vertraut machen können.
Durch meine Arbeit bei den Geburten lerne ich mehr und mehr die Gegebenheiten kennen. Es wird oft improvisiert und mit den vorhandenen Materialien gearbeitet.
Schon lange trug Fatou einen Wunsch der Verbesserung in sich: Der Lagerraum für sämtliche Vorräte sollte in den bereits vorhandenen Container umziehen. Wir hatten die Idee, dass vor dem Umzug ein Regalsystem in den Container eingebaut werden sollte, damit die Übersicht über die Vorräte verbessert werden kann. Fatou war begeistert und René konnte mit dem Schlosser und Maler gemeinsam daran arbeiten. Bereits nach einer Woche halfen Schwestern, Pfleger, unzählige Kinder beim Umzug der vorher nochmal sortierten und neu beschrifteten Kisten mit allen wichtigen Sachen. Jetzt hat die Suche ein Ende und es bedeutet eine große Erleichterung im Klinikalltag.
Der nun leerstehende Lagerraum wird aktuell zum zukünftigen Labor umgebaut. Das bisherige ist einfach zu klein und hat keine eigene Toilette. Fatou kann nach dem Umbau mehr Laborleistungen für Patienten anbieten, denn es ist durch die Vergrößerung eine Neuanschaffung geplant, die aus Platzgründen bisher nicht möglich war. Mustapha macht gerade eine zusätzliche Ausbildung, um dann hauptverantwortlich im Labor täglich zu arbeiten. Er freut sich schon sehr und hilft bei der Gestaltung seines künftigen Arbeitsplatzes. Um eine möglichst hohe Sauberkeit zu gewährleisten, wird ein Labortisch in L-Form gebaut, dessen Platte gefliest wird. Die Unterschränke haben Glasböden und sind mit Schiebetüren verschließbar. Gerade jetzt in der Trockenzeit ist der Staub ein großes Problem. Deshalb wurde eine Zwischentür zusätzlich eingebaut, um die Patienten und die Laborgeräte etwas zu trennen. Wir sind sehr froh, dass die Zusammenarbeit mit Fliesenleger, Maler, Schlosser, Klempner bisher sehr gut funktioniert. Sicherlich braucht es Geduld, wenn eine Zeit ausgemacht wurde und es dann zwei Stunden später oder doch erst am nächsten Tag losgeht. Das ist halt Afrika. Manchmal ist das Beschaffen der Materialien schwierig bzw. dass das, was man verwenden wollte, nicht zu kaufen gibt. Zum Glück haben alle Handwerker immer einen Plan B im Kopf.



Anfang November 2024
Seit vier Wochen sind wir Teil einer wunderbaren Gemeinschaft der Sheikh Tihami Ibrahim Nyass Foundation Klinik in Kunkujang, deren Leiterin Fatou Gaye ist. Wir leben auf dem Klinikgelände, der Kreißsaal ist direkt nebenan. Ich (Claudia) bin seit mehr als 30 Jahren Hebamme und arbeite im Freiwilligendienst in der Klinik, um Geburtshilfe unter anderen Umständen, fachlichen Austausch zu erleben und vor allem das Leben in Gambia kennenzulernen. Mein Mann René begleitet mich, er ist Zimmermann und meine Unterstützung vor Ort.
In unseren ersten Tage haben wir alle Eindrücke nur auf uns wirken lassen können. Die Fröhlichkeit und offene Herzlichkeit machten es uns leicht, sich hier willkommen zu fühlen. Meine ersten Dienste waren auch tatsächlich mit Geburten gefüllt, und es ist für mich eine sehr lehrreiche Zeit. Zum einen ist es schön zu erleben, dass die Hilfspakete sinnvoll gebraucht werden, zum anderen staunt man über das Improvisationstalent der Kolleg*innen und oft, dass man mit deutlich weniger auch zurechtkommen kann.
Wenn keine Geburten sind bzw. weniger zu tun ist, sitze ich mit den Schwestern und Pfleger*innen (da sie Geburten selbständig machen, nur bei Problemen kommt Fatou dazu) zusammen, um Geburtshilfe in kleinsten Lektionen zu vermitteln. In Gambia ist es ein sehr langer Weg, um Hebamme zu werden. Zunächst erlernt man Krankenpflege in unterschiedlichen Qualifikationen danach kann man sich nochmal für 2 Jahre der konkreten Hebammenausbildung widmen. Da es in erster Linie ein finanzielles Problem ist, sind Hebammen recht rar.
In unserer kleinen Klinik werden alle Geburten begleitet, die grundsätzlich normal im Verlauf erwartet werden. Dazu gehören – zu meiner großen Freude – auch Zwillings- und Steißgeburten. Ich arbeite in Dresden in einer kleineren Klinik, in der solche Geburten selten stattfinden aufgrund der standardisierten Geburtshilfe.
Bereits in unserer zweiten Woche konnte das lang geplante Projekt „Mortuary/ Hygieneraum für die Totenwaschung“ begonnen werden. Der Fliesenleger leistete ganze Arbeit mit seinen drei Gehilfen, danach wurde die AC für die Kühlung installiert, Wasserzu- und -ablauf fertiggestellt. Bereits einen Tag später wurde der Raum zum ersten Mal gebraucht. Inzwischen ist auch der Farbanstrich außen fertiggestellt und alles sieht sehr schön aus.
Kennengelernt haben wir natürlich die vielen Kinder, die im Darra leben. Donnerstag ist immer Fußballtag und viele sind begeistert mit dabei. Allerdings haben wir aktuell noch sehr viele kranke Kinder mit Malaria. Manchmal haben wir abends 15 – 20 Testungen im Accord, von denen 2 – 3 als positiv speziell behandelt werden müssen.
Zurzeit werden die Mädchenräume innen gestrichen. Gerade heute sind sechs von neun Räumen fertig gestellt worden inklusive Flur. So fleißig, wie der Maler arbeitet, wird er wohl morgen fertig sein.
Jetzt hoffen wir, dass mit dem erwarteten Material im überfälligen Container nächste Projekte angeschoben und umgesetzt werden können.





