„Waisenhaus“, Kranke oder Kinder in einem zerfallenen Haus besuchen

Ein ziemlich ausgefeilter Trick von Scammern ist es, bestimmte Häuser in schlechtem Zustand vorzuhalten, in dem wahlweise ein kleines Waisenhaus untergebracht sei, eine kranke Person wohne oder eine arme Witwe mit ihren Kindern. Ziel ist es, empathische Menschen zu diesem Haus zu leiten und sie angesichts der Zustände zu Zahlungen zu veranlassen. Für das Haus, die Krankheit oder Lebenshaltungskosten, am besten aber für alles zusammen. Der Scammer erklärt – teils mit Wissen der Umstehenden, teils ohne – wie schlimm alles sei. Gegebenenfalls lässt man sich zu einem Schwatz nieder, man bekommt vielleicht sogar etwas zu essen oder einen Tee. Es wird jedenfalls ein Vertrauensverhältnis aufgebaut und nebenbei moralischer Druck.

So etwas funktioniert auch online: Man zeigt Bilder oder Videos von dem Haus und von den Menschen, die da angeblich wohnen. Dann bietet man an, dass ja eine vertrauenswürdige Person eingeschaltet werden könne, die die Zustände prüft. Wenn man dem zustimmt, können zwei Dinge passieren: Entweder bekommt man den Kontakt zu einer „vertrauensvollen Person“, z.B. einem Priester. Der aber mit den Scammern zusammenarbeitet. Oder es geht tatsächlich eine Person hin, die man selbst kennt und der man absolut vertraut – aber sie durchschaut den Schwindel nicht.

Diese Geschichte mit der Hütte ist unseren Vereinsmitgliedern selbst passiert. Und wir hören auch immer wieder in unseren Scamming-Beratungen davon.

Wie kann man diesen Scam aufdecken: Schwierig.

  • Vertrauen Sie Ihr Geld fremden Menschen nur an, wenn sie die Lage unabhängig und wasserdicht prüfen konnten.
  • Wenn Sie nur eine kleine Lücke in der Logik finden, fragen Sie lieber eine uabhängige Person, z.B. unseren Verein.
  • Zahlen Sie Gelder grundsätzlich nie direkt, sondern über vertrauenswürdige deutsche, eingetragene Vereine aus. Das hat auch den Vorteil, dass Sie Spendenbescheinigungen erhalten.

So kann es auch kommen: Eines unserer Vereinsmitglieder wurde von zwei verschiedenen Menschen zu ein und der gleichen Hütte geführt, im Abstand von mehreren Monaten. Dem Vereinsmitglied fiel das auf. Es schwieg beim zweiten Mal aber, um sich nicht vor Ort in eine gefährliche Situation zu bringen.

Wie immer gelten folgende wichtigen Regeln:

  1. Vertrauen Sie Ihrem Bauchgefühl, dass etwas nicht stimmen kann.
  2. Blockieren Sie alle Kontaktdaten. Ohne Ankündigung. Ohne Reue.
  3. Sichern Sie Ihre Chats, Emails etc. Melden Sie das Profil. Erstatten Sie Anzeige.
  4. Holen Sie sich Ihr Selbstbewusstsein zurück: Brechen Sie Ihr Schweigen, sprechen Sie sich aus. – Sie sind nicht allein mit Ihren Erfahrungen. Scamming ist ein weltweites Milliardengeschäft.


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